Neues von Onkel Piet:<br/> Das Geschenk des Lebens
on Aug 19

Onkel Piet

Aus den Abenteuern des legendären Freimusikanten James Peterman,

alias Onkel Piet

Das Geschenk des Lebens

Niemand wird je genau wissen, wo James Peterman heute seine unerhörten Melodien erklingen ließ, die ihm, am Rande der Unerschöpflichkeit, wieder und wieder in den Sinn kamen, doch sicherlich war es ein dichtes Fleckchen unauffindbaren Waldes ganz in deiner Nähe.
Eben erst war er den überbevölkerten Einkaufsmeilen der Stadt entronnen und bevor ihn noch eine herannahende Polizeistreife wegen Landstreicherei festnehmen konnte, hatte er sich schon, bepackt mit Sack und Geige, flitz wie der Blitz in die Büsche geschlagen.
Hier saß er nun, ganz in seinem Element, und ließ seiner Fantasie freien Lauf. “Lieber Spaziergänger, nimm dein Hündchen an die Leine, deine Fantasie aber lass frei schweifen”, dachte er noch, als er ein leises Rascheln zu seinen Füßen vernahm und ein winziges Schwänzchen in einem Erdloch, nicht größer als eine Eineuromünze, verschwinden sah.”Wahrscheinlich der Bau einer etruskischen Spitzmaus”(Suncus etruscus), erkannte er als alter Tierfreund und Kenner der Gattungen.
Während das helle Tageslicht die Blätterkronen des Waldes durchflutete, wurde der Waldboden unter James Petermann immer weicher und weicher, bis er endlich ganz einbrach und unser Onkel Piet in der Tiefe einer dunklen Erdhöhle verschwand.
Unsanft aber glücklich unverletzt landete er auf modrig weichem Grund und konnte eben noch sein Instrument auffangen, das, wie wir wissen, James Peterman überall hin zu folgen pflegte. “POZT BLITZ!”, entfuhr es ihm als er hinaufschauend nur einen Ring Tageslicht in etwa 5 m über sich erblickte. “Was für ein Abenteuer!”


In diesem geheimen Verließ konnte er mit ausgebreiteten Armen gerade einen Kreis beschreiben, aber wie nun zurück zum Tageslicht gelangen, wenn man vor lauter Dunkelheit nicht einmal seine Stiefel sah? Doch diese stießen an etwas Hartes. Sich bückend ertastete O.P. ein Kästchen, welches er staunend und gespannt, was dieses ihm offenbaren würde, aufhob und vorsichtig zu öffnen versuchte. Aber nur schwarzes Nichts bis sich ein lichter Punkt, nicht größer als eine Stecknadelspitze mehr und mehr zu einem hell leuchtenden kleinkartoffelgroßen Kristall erweiterte, der nun das schwarze Gefängnisloch zu erhellen begann. “Was für ein Fund!” Freude und Zuversicht durchfuhren augenblicklich unseren einzigen Freimusikanten derweil er sich zu orientieren begann.
Zum Glück hatte er heute sein Jagdmesser dabei. Dieses Zierstück männlicher Würde mit einer Klinge aus Damaszener Stahl, mit Griffschalen aus den Stoßzähnen des sibirischen Mammut, dem Permafrost entrissen, und ziselierten Backen aus den Graveurwerkstätten mazedonischer Silberschmiedekunst, half ihm dabei, eine knüppelartige, zähe Wurzel auszugraben.Diese verknotete er mit einem Seil, das er aus den Saiten seiner Gitarre geknüpft hatte: “Wer hätte das gedacht, meine liebe Gitarre, dass du mir auch einmal ganz praktisch von Nutzen sein könntest?”, dachte James Peterman schon sichtlich aufgemuntert und nun, so gut es eben in der Enge der tiefen Höhle möglich war, begann er mit lassoartigen Schwingbewegungen wieder und wieder seinen Anker nach oben zu schleudern. “Was für eine Aufgabe!”
Nach immer neuen Misserfolgen aber unverdrossen und gestärkt durch seinen unglaublichen Fund hakte sein Saitenseil endlich oberhalb in kurzen Stümpfen gestutzter Jungbäume fest. O.P. küsste dankbar den Leuchtkristall und barg ihn wohl in seiner Leibtasche, schob seinen Gürtel durch den Kopf seiner Gitarre, um diese zu schultern, verband seine Hände zum Schutz mit seinen Socken und begann mit einem Stoßgebet gen Himmel sich cm für cm in dessen Richtung vorzuarbeiten. Eine Maulwurfsfamilie beobachtete sein Mühen mit Kopfschütteln, und in der Hoffnung, endlich ihre Gänge ungestört weiter zu treiben, wünschte sie ihm einen guten Aufstieg. Dem erschien ein Seil aus bestem Nylon als seidener Faden seiner Rettung um so vieles süßer als so mancher Ton, welchen er den ursprünglichen Saiten je entlockt hatte.

Näher und näher gewann er Aufschluss zum Tageslicht bis es ihm endlich gelang, sich ganz hinaufzuziehen. Ein Seufzer der Erleichterung entfuhr J.P. , wie er nun völlig entkräftet aber heilfroh das Sonnenlicht und festen Boden zurück gewonnen hatte.
Er wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte, als er ein Rascheln neben seinem Gesicht hörte. Noch benommen fuhr er auf: “Was? Etruskerspitzmausloch?, Höhlensturz, Kassette? Saitenwurzellasso? Er blickte umher. Sein Instrument lag griffbereit neben ihm. Er griff in seine Leibtasche. Wo war der Kristall? Hatte er wohl alles nur geträumt? So nahm er seine Gitarre erneut zur Hand, stimmte sie rein, und spielte wie von selbst sein bis dahin wohl schönstes Lied, welches die Welt erst noch entdecken muss, und nannte es:
“Das Geschenk des Lebens”


J.P. hatte die Erkenntnis gewonnen,
das Leben als größtes Geschenk an die Menschheit zu achten.
Das führten ihn zu einer Titeländerung seines wohl schönsten Werkes. Er nannte es fortan:

Aufschlüsse

Aufschlüsse – aus Folk & Blues News


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